Springe nach oben inicio mail me! sindicaci;ón Springe nach unten


Archiv für “Sieben Fragen an …”




11.
Mai
20:27 Uhr
-

“In Balance bleiben”

gespeichert unter: "Sieben Fragen an ..."

Ditte Kotzian gehört zu den erfolgreichsten Athletinnen des DSV der vergangenen Jahre. Im Laufe ihrer sechzehnjährigen Karriere wurde die dreifache Olympiateilnehmerin mehrfache Jugendeuropa- und Jugendweltmeisterin, Doppeleuropameisterin, Doppel-Vizeweltmeisterin und Bronzemedaillengewinnerin bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking. Startblog traf die ehemalige Wasserspringerin in ihrem Friedrichshainer Kiez.

StartBlog: Hallo Ditte. Lange nicht mehr gesehen. Was hast du seit 2008 gemacht?

Ditte: Urlaub. Ein Jahr volle Konzentration auf die vergangenen Jahre in meinem Leben, Sport, Studium. Zeit, Dinge zu ordnen. Und mein Diplom in der Sportwissenschaft. Berufseinstieg.

StartBlog: Derzeit gibst du dem Schwimmnachwuchs am Olympiastützpunkt in Potsdam Yogastunden. Gleichzeitig hast du auch Motivationsseminare geleitet. Das hat ja nun nicht wirklich viel mit Wasserspringen zu tun?

Ditte: … aber mit mir! Ich will mich stets weiter entwickeln und kenne meine Stärken und Schwächen ziemlich genau. Für mich selbst habe ich während und nach meiner Karriere einen ganzheitlich guten Weg gefunden, in Balance zu sein. Diese Erfahrungen möchte ich nun mit anderen Menschen teilen.

Foto: Benjamin Düchting

StartBlog: Rückblickend wirkt dein Leben daher weitgehend geradlinig mit kontinuierlichen Leistungen über beinahe 15 Jahre hinweg?

Ditte: Eigentlich nicht. Es war ein Weg mit Höhen und Tiefen. Beispielsweise 1998. Ich hätte aufgrund von aufeinander folgenden Verletzungen fast aufgehört und habe lange überlegt, ob sich eine Fortsetzung lohnt. Nach vielen Gesprächen mit der Familie und meinem Trainer vertraute ich jedoch in das Potential, das in mir ruhte. Ich merkte, dass ich noch nicht fertig war und fasste neuen Mut…

StartBlog: … was ja auch relativ schnell belohnt wurde.

Ditte: Ja, ich bin Deutschlands erfolgreichste Springerin.

StartBlog: Das klingt sehr selbstbewusst.

Ditte: Seit meinem Karriereende nach den olympischen Spielen habe ich mich sehr viel mit meinen Erfolgen befasst. Und gelernt, mich nicht nur über diesen Weg zu definieren. Denn ganz nebenbei habe ich schließlich auch mein Studium mit Erfolg gerockt. Heute weiß ich, was ich kann und was ich nicht kann. Damit kann ich durchaus im Einklang mit mir selbst leben. Yoga hat mir auf diesem Weg sehr geholfen und ist daher ein Aspekt meines neuen Lebens, der mich erdet.

StartBlog: Siehst du im Yoga eine berufliche Perspektive? Welche Pläne hast du für die nächsten Jahre?

Ditte: [lächelt] Ich habe Plan A, Plan B, Plan C. Nein, im Ernst. Ich bin immer noch dabei mich zu entwickeln. Ich habe aber vor allem das Potential entdeckt, anderen Sportlern die Ganzheitlichkeit von Ernährung, Entspannung und alternativen Bewegungsformen näher zu bringen, um ihnen auf ihrem Weg zu sportlichen Höchstleistungen neue Horizonte zu öffnen und sie an Phasen der Stagnation vorbeizuführen.

StartBlog: Stagnationen im Leistungssport?

Ditte: Vornehmlich schon. Wenn ich mit Sportlern arbeite geht es darum, sie sportlich weiterzubringen. Aber körperliche Stagnationen bedeuten oft auch psychische Blockaden. Aus meinen eigenen Erfahrungen heraus weiß ich, dass durch kleine Veränderungen im Bewusstsein große Sprünge in der körperlichen wie wettkampfsportlichen Entwicklung erzeugt werden können.

StartBlog: Das trifft aber nur für die Individualsportarten zu, oder?

Ditte: Nein. Routine verursacht Stagnation! Ich selbst habe früher 10000 Sprünge pro Jahr absolviert und immer die gleichen Bewegungsabläufe geübt. Im Schwimmen sind es beispielsweise pro Jahr 1800 bis zu 2200 Kilometer. Das erfordert kompensatorisches Training, in dem Muskelgruppen angesprochen und Vernetzungen geschaffen werden, die durch Routine üblicher Weise verloren gehen. Durch neue, erlernte  Steuerungsprozesse werden beispielsweise Bewegungen möglich, an denen man vorher regelmäßig gescheitert ist. Auch in den Mannschaftssportarten.

StartBlog: Springst du dabei nicht auf einen Trend auf, Yoga bis in den familiären Haushalt zu bringen?

Ditte: Vielleicht. Aber Yoga ist kein Geheimnis. Es zeigt seine Wirkung – schon seit vielen tausend Jahren.

StartBlog: Vielen Dank für das Gespräch. Namasté.

Ditte: Namasté.

 

Artikel weiterlesen




13.
September
18:01 Uhr
-

„Eigentlich bin ich ja erst 16 Jahre alt“

gespeichert unter: "Sieben Fragen an ..."

Im August schrieb Dorothea Brandt einen Bericht über das Vorbereitungstraingslager der EM-Mannschaft in Heidelberg. StartBlog traf sie einen Monat später in Potsdam. Ein Gespräch über Erfahrungen und Perspektiven.

StartBlog: Dorothea, Sie können auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. Sind Sie mit ihrer Entwicklung ein Stück gewachsen?

Brandt: Ich bin ruhiger geworden, gerade in den Wettkämpfen. Ich weiß, dass ich mich auf mich selbst verlassen kann.

StartBlog: War das bei den EM in Budapest hilfreich?

Brandt: Es war mein erstes großes Finale. Durch den Winter und die Vorbereitung habe ich ein optimales Maß herausgeholt, auch wenn ich im Rennen nicht alles zeigen konnte. Aber auch das gehört zum Lernprozess.

StartBlog: Als Aktivensprecher der Nationalmannschaft haben Sie nicht nur die Aufgabe, Probleme beim Verband zur Sprache zu bringen, sondern auch innerhalb der Mannschaft durch Ihre Erfahrungen und die der anderen älteren Athleten für ein gutes Maß an Harmonie zu sorgen. Ist Ihnen das innerhalb der kurzen Zeit gelungen?

Brandt: Unser Team in Budapest war eine angenehme Mannschaft. Es herrschte ein gesundes Gleichgewicht zwischen Erfahrung und Jugend. Es war nicht erforderlich, dazwischen zu vermitteln. Außerdem waren viele bereits bei den JEM dabei und besitzen ausreichend Erfahrungen.

StartBlog: Wie wird Ihre Arbeit im kommenden Jahr als Sprecher der Nationalmannschaft aussehen?

Brandt: Das kommende Jahr ist mein erstes richtiges Jahr. Wir werden mit der DSV-Führung in einen Dialog treten, um Lösungen für auftretende Probleme zu finden. Auf jeden Fall werden wir die positiven Dinge erhalten. Mit Dirk Lange und Lutz Buschkow sind sehr fähige Leute am Werk, die darauf bedacht sind, für optimale Rahmenbedingungen zu sorgen.

StartBlog: Und wie geht’s sportlich weiter?

Brandt: Ich werde erstmals die komplette Tour des arena world cups mitmachen, mit Ausnahme von Rio de Janeiro. Und alle übrigen Wettkämpfe der Kurzbahnsaison. Ich hoffe natürlich, mich für die Kurzbahn-WM zu qualifizieren.

StartBlog: Nach den Olympischen Spielen 2004 gelang es Ihnen lediglich auf Kurzbahn, nennenswerte internationale Erfolge einzufahren. Warum kommt Ihre Entwicklung vergleichsweise so spät?

Brandt: Schwimmsportlich gesehen bin ich ja eigentlich erst fantastische 16 Jahre alt. Wenn man mit 6 Jahren beginnt, mit 15 oder 16 JEM schwimmt, mit 17 JWM, sollte man mit 18 den Sprung zu den Großen schaffen. Dann hat man ungefähr 12 Jahre Schwimmausbildung hinter sich. Ich habe erst mit 13 angefangen und die Entwicklung in die Jahre nach meinem 16. Lebensjahr schieben müssen. Ich musste immer anders arbeiten und immer ein Stück härter.

StartBlog: Also, was würden Sie heute der 13jährigen Dorothea auf den Weg geben?

Brandt: Widme dich dem Sport mit mehr Sachlichkeit und Lockerheit und lass dich von den Aussagen anderer bezüglich deines Talents nicht allzu stark leiten!

StartBlog: Vielen Dank für das Gespräch.

(StartBlog traf Dorothea in einer freien Minute in einem Café während des DSV-Auftakttrainingslagers in Potsdam.)




16.
Januar
18:55 Uhr
-

„Die Deutschen waren nicht schlecht“

gespeichert unter: "Sieben Fragen an ..."

Auf dem Gelände des Olympiastützpunktes in Potsdam fand vom 4. bis 16. Januar ein Langstrecken-Trainingslager des Deutschen Schwimmverbandes mit internationaler Beteiligung statt. Unter der Leitung von Bundestrainer Dirk Lange bewältigten neben Schwimmass Paul Biedermann und dem Langstreckenspezialisten Thomas Lurz auch junge Nachwuchsathleten und Perspektivkader ein hohes Trainingspensum – gemeinsam mit Athleten aus Südafrika, Australien, Italien. Ein StartBlog-Gespräch mit Dirk Lange, Bundestrainer des DSV.

StartBlog: Morgen endet das internationale Trainingslager des DSV in Potsdam. Wenn Sie auf die vergangenen zwölf Tage zurückblicken, wie bewerten Sie diese Maßnahme?

Lange: Die Idee, die hinter dem Camp stand, war die Langstreckenkultur wiederzubeleben. Wir kommen in Deutschland weder auf die notwendigen Umfänge noch Intensitäten, weil wir immer allein arbeiten. Es war also die Idee, leistungsstarke Sportler zusammenzubringen. Allein von den vier „Sportlern des Jahres“ der LEN (Europäischer Schwimmverband) waren drei anwesend. Wir haben es über die ausländische Komponente geschafft, dass unsere Sportler immer wieder zurückgeführt wurden auf das, was notwendig ist, vor allem in Hinblick auf die höheren Umfänge. Positiv war dabei, dass wir keinen einzigen Sportler hatten, der sich rausgenommen hat.

StartBlog: An die Planung des Trainingslagers traten viele Trainer mit unterschiedlichen Ideen heran. Sicherlich war es nicht einfach, einen Konsens zu finden. Auf welche inhaltlichen Schwerpunkte konnte man sich einigen?

Lange: Wir haben ganz konkret im Vorfeld die Umfänge und Belastungsschwerpunkte an den einzelnen Tagen festgelegt. Die erste Woche stand unter deutscher Regie, namentlich der Trainer Jörg Hoffmann und Stefan Lurz. Die gesamte zweite Woche wurde als Bündel von den ausländischen Teilnehmern vor allem aus Südafrika und Australien betrachtet, in der wir auf einer klar definierten aeroben Basis aber zunehmend in die Qualität hineingingen.

StartBlog: Sicherlich traten dabei die methodischen Unterschiede besonders zu Tage …

Lange: Genau, die bestehenden Unterschiede waren hier deutlich zu erkennen, beispielsweise wie Serien geschwommen oder Pausen gestaltet werden. Die Australier haben hier viel mit Serien gearbeitet, in denen die Pausen bewusst sehr kurz gehalten wurden. Durch die extremen Abgangszeiten versuchen sie die Dynamik und die inhaltlichen Schwerpunkte zu verfolgen.

StartBlog: Lassen sich aus den Beobachtungen, die Sie während des Camps gemacht haben, Reserven beim deutschen Team erkennen, an denen in Zukunft mit Blick auf London 2012 gearbeitet werden muss ?

Lange: Die Frage ist ja: Was können wir aus dem Trainingslager mitnehmen? Beispielsweise war der größte Teil der krankheitsbedingten Ausfallquoten auf deutscher Seite zu verbuchen. Wir haben, glaube ich, gut gelernt, wie man im Training mit solchen teilweise außerordentlichen Bedingungen und ungewöhnlichen Situationen umgehen kann…

StartBlog: Sie meinen in Bezug auf die hohen Umfänge?

Lange: Es hat vielen Sportlern die Augen geöffnet, wie zum Beispiel die Südafrikaner niemals geklagt haben, und immer versucht haben, das Limit etwas weiter zu schieben, während häufiger bei unseren Leuten der Eindruck entstand: ‚Jetzt kann ich nicht weiter, jetzt mach ich mal Schluss.‘ Das Ergebnis für mich ist, dass wir unseren Horizont erweitern und dass unsere Sportler verstehen, was der internationale Standard bringt. Wenn die Leute diese Botschaft  verstehen und ihre Betrachtungsweise ändern, dann haben wir erreicht, was wir erreichen wollten.

StartBlog: Seit Sie 2008 die Position des Bundestrainers übernahmen, hat sich einiges verändert. Hat der DSV aus den Erfahrungen der letzten Jahre gelernt?

Lange: Ich glaube schon, und ich hoffe, dass er etwas gelernt hat. Ich stehe und ich stand, auch bevor ich nach Deutschland zurückgekommen war, für bestimmte Dinge, beispielsweise für internationale Zusammenarbeit und Networking. Ich glaube einfach, wenn man sich vor neuen Dingen verschließt, dann werden wir niemals das Niveau bekommen, welches Mannschaften anderer Länder aufweisen. Man kann von ihnen lernen, aber das geht nur dann, wenn wir auch tatsächlich ein paar Leute einladen und über bestimmte Dinge diskutieren. Für mich besonders wichtig war dieses Trainerkolloquium, in dem deutsche Trainer die Chance hatten, mit ausländischen Trainern einfach für zwei Stunden bestimmte Themen zu diskutieren.

StartBlog: Zum Beispiel?

Lange: Wie viele Umfänge macht man, wann fängt man an, Umfänge durchzuführen? Wie sehen sie das Alter von zwölf, von fünfzehn und sechszehn Jahren? Was ist international up-to-date, was nicht? Das alles hilft uns, mit Sieben-Meilen-Stiefeln die Lücke, die in den letzten Jahren aufgetreten ist, zu schließen. Dies ist allerdings ein sehr sensibler Bereich.

StartBlog: Können Sie einen Ausblick darüber geben, welche konkreten Maßnahmen in den kommenden Jahren auf dem Weg nach London geplant sind?

Lange: Wir werden verstärkt weitere internationale Camps durchführen, wir werden aber auch unsere Bemühungen anschieben, hier in Potsdam das Langstreckenzentrum noch mehr zu unterfüttern mit Aus- und Umbaumaßnahmen. Ein weiterer Punkt ist, dass wir die Länderkampf-Idee wiederbeleben. Wir haben zum Beispiel Länderkämpfe mit den Engländern, die sich mit Blick auf die Olympischen Sommerspiele in England von Jahr zu Jahr sicherlich steigern werden. Und natürlich wird als eine der Benchmarks auch die Mare-Nostrum-Tour noch mehr im Mittelpunkt stehen. Training, Wettkampf, Managing des ganzen Pakets – darauf kommt es letzten Endes an. Das ist in den letzten Jahren nicht gelungen. Die Deutschen waren nicht schlecht, sie haben nur nicht richtig ihre Fähigkeiten ausspielen können, weil sie dann durch Bedingungen, die bei den vergangenen Olympischen Spielen herrschten, limitiert worden sind. Ich bin überzeugt davon, dass sie schon vorher in Form waren, sonst wären diese Steigerungen im vergangenen Jahr nicht möglich gewesen.

StartBlog: Ich bedanke mich für das Gespräch.

(Das Interview führte Marko Letz, Trainer am OSP Brandenburg in Potsdam)


Teilen